Das erste Mal allein

Es sind oft nicht die großen Ereignisse, die einem zeigen, wie sehr sich das Leben verändert hat.

Es sind die ersten Male.

Das erste Aufwachen in einem stillen Haus.

Der erste Geburtstag ohne den Menschen, der immer an deiner Seite war.

Das erste Weihnachten.

Der erste Urlaub, der nie stattfand.

Das erste Mal eine Entscheidung treffen, die früher selbstverständlich gemeinsam getroffen wurde.

Jedes dieser „ersten Male“ fühlte sich an wie ein kleiner Abschied.

Ich erinnere mich, wie oft ich dachte: „Das hätte ich ihm jetzt erzählt.“ Oder wie ich ganz automatisch zum Telefon greifen wollte, nur um im nächsten Moment zu begreifen, dass es diesen Anruf nie mehr geben würde.

Es sind Gewohnheiten, die sich tief in unser Leben einweben. Sie verschwinden nicht einfach, nur weil ein Mensch nicht mehr da ist.

Und doch musste ich lernen, meinen Alltag neu zu gestalten.

Am Anfang hatte ich Angst vor dem Alleinsein.

Heute weiß ich, dass Alleinsein nicht immer Einsamkeit bedeutet.

Ich habe begonnen, die Stille anders wahrzunehmen. Nicht als Feind, sondern als Raum. Einen Raum, in dem Tränen ihren Platz hatten, aber irgendwann auch neue Gedanken, neue Träume und neue Hoffnungen.

Das war kein gerader Weg.

Es gab Rückschritte. Tage, an denen ich glaubte, wieder ganz am Anfang zu stehen.

Doch ich habe gelernt, mir Zeit zu geben.

Trauer kennt keinen Kalender.

Sie fragt nicht, wie viele Monate oder Jahre vergangen sind. Sie kommt, wenn sie kommt. Und sie geht auch wieder.

Heute erschrecken mich diese Wellen nicht mehr.

Ich weiß, dass sie vorüberziehen.

Und ich weiß auch, dass hinter ihnen immer wieder Momente warten, in denen ich spüre: Das Leben trägt mich weiter.

Vielleicht anders, als ich es mir jemals vorgestellt hätte.

Aber es trägt mich.

Und dafür bin ich heute unendlich dankbar.

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