Irgendwann verändert sich etwas.
Nicht in einem selbst.
Sondern im Blick der anderen.
Am Anfang ist das Mitgefühl groß. Menschen fragen nach, bieten ihre Hilfe an und sind einfach da.
Doch mit der Zeit wird es stiller.
Das Leben der anderen geht weiter. Und das ist auch richtig so.
Aber für einen selbst ist die Trauer nicht einfach verschwunden, nur weil Monate vergangen sind.
Ich habe oft das Gefühl gehabt, dass unausgesprochen die Erwartung im Raum stand, irgendwann wieder „die Alte“ zu sein.
Doch das konnte ich nicht.
Und heute weiß ich auch: Ich musste es nicht.
Der Tod eines geliebten Menschen verändert uns.
Nicht für eine gewisse Zeit.
Sondern für immer.
Das bedeutet nicht, dass wir für immer traurig sind.
Es bedeutet nur, dass wir nicht mehr dieselben Menschen sind wie vorher.
Ich habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen.
Aufgehört zu erklären, warum manche Tage schwerer sind als andere.
Aufgehört, so zu tun, als wäre alles in Ordnung, wenn es das nicht war.
Trauer hat keinen Zeitplan.
Sie kennt keine Fristen.
Und sie lässt sich nicht daran messen, wie viele Jahre vergangen sind.
Auch heute gibt es Momente, in denen mich Erinnerungen völlig unerwartet einholen.
Ein Lied.
Ein bestimmter Geruch.
Ein Ort.
Ein Satz.
Plötzlich ist er wieder da – dieser Stich im Herzen.
Der Unterschied ist nur:
Früher hat er mich umgeworfen.
Heute erinnert er mich daran, wie tief ich geliebt habe.
Und dafür bin ich dankbar.
Denn Liebe verschwindet nicht.
Sie begleitet uns weiter.
Auf eine andere Weise.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis auf meinem Weg:
Ich musste nicht wieder die Frau werden, die ich einmal war.
Ich durfte lernen, die Frau zu werden, die ich heute bin.
Mit all meinen Narben.
Mit all meinen Erinnerungen.
Und mit der Gewissheit, dass beides seinen Platz in meinem Leben haben darf.
Hinterlasse einen Kommentar