Irgendwann fuhr ich mit meinen Eltern in den Urlaub.
Ich glaube, ich brauchte damals vor allem eines: Abstand.
Wir suchten uns bewusst einen Ort aus, mit dem ich nichts Besonderes verband. Keine gemeinsamen Urlaube. Keine Lieblingsplätze. Keine Restaurants, in denen wir zusammen gesessen hatten. Keine Straßen, auf denen ich plötzlich dachte: Hier waren wir doch einmal.
Einfach ein anderer Ort.
Vielleicht dachte ich, dass es dort leichter sein würde.
Denn zu Hause war eigentlich alles voller Erinnerungen.
Jeder Raum, jeder Gegenstand, manche Gerüche, bestimmte Geräusche – überall konnte ich auf etwas stoßen, das mich an meinen Mann erinnerte.
Hier aber war nichts davon.
Ich war mit meinen Eltern unterwegs und konnte mich auf neue Eindrücke konzentrieren.
Wir gingen spazieren, sahen uns die Umgebung an, aßen gemeinsam und verbrachten Zeit miteinander.
Und tatsächlich gab es Momente, in denen ich einfach nur da war.
Nicht als Ehefrau.
Nicht als die Frau, deren Mann gestorben war.
Einfach als Tochter.
Vielleicht war genau das schön.
Aber natürlich konnte ich meine Trauer nicht einfach zu Hause lassen.
Das wurde mir schnell bewusst.
Denn auch an einem völlig fremden Ort gab es diese kleinen Momente.
Wenn ich etwas Schönes sah und mein erster Gedanke war, dass ich es ihm gerne zeigen würde.
Wenn ich etwas Lustiges erlebte und mich kurz umdrehen wollte, um es mit ihm zu teilen.
Und dann war da wieder diese Erkenntnis:
Er ist nicht da.
Es spielte keine Rolle, wo ich war.
Die Erinnerungen waren vielleicht nicht an diesem Ort.
Aber die Sehnsucht war mitgereist.
Trotzdem war dieser Urlaub wichtig für mich.
Nicht, weil plötzlich alles gut gewesen wäre.
Sondern weil ich erleben konnte, dass ich auch an einem anderen Ort sein konnte.
Dass ich lachen konnte.
Dass ich schöne Dinge sehen konnte.
Dass ein paar unbeschwerte Stunden möglich waren, ohne dass ich damit meinen Mann vergessen hätte.
Damals hätte ich wahrscheinlich noch nicht gesagt, dass das ein Schritt nach vorne war.
Heute sehe ich es anders.
Vielleicht waren es genau diese kleinen Momente, in denen ich langsam wieder gelernt habe, dass neben der Trauer auch noch anderes existieren darf.
Ein schöner Ausblick.
Ein gutes Essen.
Ein Gespräch mit meinen Eltern.
Ein Lachen.
Und vielleicht sogar ein bisschen Leichtigkeit.
Ohne schlechtes Gewissen.
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