Ein Tropfen auf dem heißen Stein

Heute hat es geregnet.

Nicht lange. Nicht so, dass man danach sagen könnte: Jetzt ist die Natur wieder versorgt. Dafür bräuchte es wohl sehr viel mehr. Die Böden sind vielerorts tief ausgetrocknet, die Pflanzen kämpfen seit Wochen mit Hitze und fehlendem Wasser. Ein kurzer Regenschauer kann diese lange Trockenheit nicht einfach ungeschehen machen.

Und trotzdem habe ich mich über jeden einzelnen Tropfen gefreut.
Vielleicht, weil Regen in diesem Sommer etwas Kostbares geworden ist. Weil man plötzlich wieder bewusst hinhört, wenn die ersten Tropfen auf das Fensterbrett fallen. Weil die Luft sich verändert. Weil die Natur für einen kurzen Moment aufatmen kann.
Auch wenn dieser Regen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.

Aber vielleicht müssen wir manchmal aufhören, alles daran zu messen, ob es schon genug ist.

Ein bisschen Regen ist nicht nichts.
Ein kleiner Schritt ist nicht nichts.
Ein freundliches Wort ist nicht nichts.
Ein Moment der Ruhe ist nicht nichts.
Ein bisschen Hoffnung ist nicht nichts.

Wir leben oft mit dem Gedanken, dass etwas erst dann zählt, wenn es eine große Veränderung bewirkt. Wenn das Problem gelöst ist. Wenn wir endlich wieder aufatmen können.

Dabei beginnt Veränderung so oft ganz unspektakulär.
Mit einem Tropfen.
Und dann noch einem.
Und irgendwann ist der Boden vielleicht nicht mehr ganz so trocken.

Vielleicht ist das auch ein schöner Gedanke für uns selbst:
Wir müssen nicht immer alles sofort wieder zum Blühen bringen.
Manchmal reicht es, dem eigenen ausgetrockneten Boden ein wenig Wasser zu geben.

Einen ruhigen Moment.
Ein Gespräch.
Ein Spaziergang.
Ein bewusstes Nein.
Eine Pause.
Etwas, das uns gut tut.

Es muss nicht gleich alles verändern.
Es darf einfach ein Tropfen sein.

Und vielleicht ist genau das manchmal der Anfang.

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