Früher – Mich selbst wiederfinden


Je mehr ich losließ, desto mehr Raum entstand für etwas Neues.

Und damit begann eine Zeit, in der ich mich selbst wieder neu kennenlernen musste.

Ich hatte so lange in einem „Wir“ gelebt, dass mir das „Ich“ zunächst fremd vorkam.

Was wollte ich eigentlich?

Was tat mir gut?

Was machte mich glücklich, unabhängig davon, was andere von mir erwarteten?

Früher hatte ich viele Dinge einfach gemacht, weil sie zum gemeinsamen Leben gehörten. Plötzlich gab es diese Selbstverständlichkeiten nicht mehr.

Das konnte sich manchmal unglaublich frei anfühlen.

Und manchmal auch beängstigend.

Denn Freiheit bedeutet eben auch, Entscheidungen selbst zu treffen. Niemanden mehr zu fragen. Niemanden mehr automatisch an seiner Seite zu haben, mit dem man den Alltag teilt.

Ich begann, neue Dinge auszuprobieren.

Manches davon hätte ich früher wahrscheinlich nie gemacht. Nicht, weil ich es nicht gewollt hätte, sondern weil es einfach keinen Platz in meinem bisherigen Leben gehabt hatte.

Mit jedem kleinen Schritt wurde mir klarer, dass ich nicht nur lernen musste, ohne meinen Mann zu leben.

Ich musste lernen, mein eigenes Leben wieder zu gestalten.

Und dabei entstand langsam eine neue Seite an mir.

Eine, die mutiger wurde.

Eine, die genauer hinschaute.

Eine, die nicht mehr alles einfach hinnahm.

Ich wusste noch nicht, wohin diese Veränderung führen würde.

Aber zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl, dass mein Leben wieder mir gehörte.

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