Wenn die Tage kürzer werden, die Dunkelheit früher Einzug hält und die Natur sich langsam zur Ruhe begibt, beginnt eine besondere Zeit im Jahreskreis: Samhain.
Am 31. Oktober feiern wir Samhain, eines der acht Jahreskreisfeste. Es markiert den Übergang vom hellen Sommerhalbjahr in die dunkle Jahreszeit und gilt für viele als Beginn des neuen spirituellen Jahres.
Es ist ein Fest des Übergangs, des Innehaltens und des Erinnerns. Eine Zeit, in der wir uns bewusst mit dem beschäftigen können, was hinter uns liegt, was wir loslassen möchten und was wir mit in die kommende Zeit nehmen wollen.
Die Zeit zwischen den Welten
Samhain wird häufig als die Zeit bezeichnet, in der die Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Verstorbenen besonders dünn sein sollen. In alten Überlieferungen glaubte man, dass die Seelen der Verstorbenen in dieser Nacht den Lebenden nahekommen können.
Es ist deshalb auch ein Fest des Gedenkens. Wir erinnern uns an Menschen, die nicht mehr bei uns sind, an gemeinsame Erlebnisse und an all das, was sie in unserem Leben hinterlassen haben.
Vielleicht ist es ein schöner Gedanke, an diesem Abend eine Kerze für einen geliebten Menschen anzuzünden. Nicht aus Traurigkeit allein, sondern auch aus Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit und die Spuren, die dieser Mensch in unserem Herzen hinterlassen hat.
Loslassen und Neubeginn
Samhain lädt uns ein, nach innen zu schauen.
Die Natur macht es uns vor: Die Blätter fallen, Pflanzen ziehen ihre Kraft zurück und vieles kommt zur Ruhe. Nicht alles, was vergeht, ist ein Verlust. Manches darf gehen, damit Neues entstehen kann.
Vielleicht gibt es Gedanken, Gewohnheiten oder alte Geschichten, die uns nicht mehr guttun. Vielleicht gibt es aber auch Dinge, an denen wir festhalten möchten, weil sie uns Kraft und Geborgenheit schenken.
Es geht nicht darum, alles hinter sich zu lassen. Vielmehr dürfen wir bewusst entscheiden, was uns weiterhin begleiten soll.
Räuchern zu Samhain
Räuchern ist ein schönes Ritual, um Samhain bewusst zu gestalten.
Traditionell werden verschiedene Kräuter und Harze verwendet, denen reinigende, schützende oder stärkende Eigenschaften zugeschrieben werden.
* Beifuß: Steht für Schutz, Übergänge und Intuition.
* Salbei: Wird mit Reinigung und Klärung verbunden.
* Wacholder: Gilt als schützendes Räucherwerk.
* Weihrauch: Steht für Verbindung, Besinnung und Spiritualität.
Nimm dir einen Moment Zeit, entzünde dein Räucherwerk und lass den aufsteigenden Rauch zum Symbol dafür werden, dass du Altes verabschieden und Raum für Neues schaffen darfst.
Ein kleines Samhain-Ritual
Du brauchst dafür nicht viel. Eine Kerze, ein paar Herbstblätter, vielleicht einen kleinen Gegenstand aus der Natur und etwas Zeit nur für dich.
* Schaffe dir einen ruhigen Platz und entzünde eine Kerze.
* Denke an die vergangenen Monate. Was hat dich bewegt? Was hat dich gestärkt?
* Schreibe auf einen kleinen Zettel, was du loslassen möchtest.
* Schreibe auf einen zweiten Zettel, was du in die dunkle Jahreszeit mitnehmen möchtest.
* Bewahre den zweiten Zettel auf. Den ersten kannst du achtsam zerreißen oder – wenn du ihn verbrennen möchtest – in einer feuerfesten Schale sicher verbrennen.
Beende dein Ritual mit einem Moment der Stille und vielleicht mit diesen Worten:
Ich verabschiede, was gehen darf. Ich ehre, was war. Ich bewahre, was mich stärkt. Und ich öffne mich für das, was kommen mag.
Die Dunkelheit als Kraftquelle
Wir leben in einer Zeit, in der vieles auf Aktivität, Leistung und immerwährendes Funktionieren ausgerichtet ist. Samhain erinnert uns daran, dass auch die Ruhe ihren Platz braucht.
Die dunkle Jahreszeit muss nicht nur etwas sein, das wir möglichst schnell hinter uns bringen möchten. Sie kann uns die Möglichkeit schenken, langsamer zu werden, uns selbst wieder näherzukommen und auf unsere innere Stimme zu hören.
Vielleicht ist genau das die besondere Einladung von Samhain: Nicht immer nach vorne schauen zu müssen, sondern auch einmal zurückzublicken. Nicht alles erklären oder verändern zu wollen, sondern manches einfach sein zu lassen.
Ich wünsche dir ein achtsames Samhain.
Mögest du Frieden mit dem finden, was hinter dir liegt, Kraft aus deinen Erinnerungen schöpfen und mit Zuversicht in die kommende dunkle Jahreszeit gehen.
Ehre das Vergangene, lebe das Jetzt und vertraue dem, was noch vor dir liegt. 🌙
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